Erfahrung mit Lebensschule Schloss Schochwitz / August bis September 2016

Das einzige was Bestand hat ist die Veränderung

Mit Popcorn ausgerüstet versinke ich in meinem tiefroten Kinosessel. Auf der Leinwand strahlt eine große Frau, gerade 30 mit ihren blauen Augen, umgeben von Kindergartenkindern, auf mich herab.

Sie scheint glücklich, auch wenn sie das Leben und vor allem ihre Kindheit hart getroffen haben. Nach unzähligen Therapien haben am Ende wohl endlich die Psychopharmaka angeschlagen. Seitdem wohnt sie in ihrer eigenen kleinen Wohnung, hat eine Teilzeitstelle, einigermaßen stabile Freundschaften und auch mit der Familie kommt sie wieder gut aus.

Nun gut, ihre Bezeichnungen sind immer noch ausgesprochen unausgeglichen, von vielen impulsiven Handlungen und schwerem Liebeskummer gezeichnet. Die Universität hat sie nie abgeschlossen und zu einem Neuanfang fehlt ihr der Mut und das Selbstvertrauen.

Ihr Körper muss sich seit den zwei Knieoperationen schonen, denn schließlich haben die Ärzte das gesagt. Es zwickt ja auch immer wieder, vor allem auch die Hüfte. Liegt eben an der Fehlbelastung.

Doch seit den Medikamenten sind alle schweren Emotionen eingekesselt und alles läuft einen monotonen Ablauf. Richtig gut fühlt es sich nicht an, aber so funktioniert sie eben wieder und kann sich in die Gesellschaft einfügen.

Wen ich mir da anschaue?

Mich selber, in meiner Paraderolle. Die leidende Protagonistin.

„Wie lange möchtest du noch in deiner Opferrolle verweilen? Wir sind alle Täter, denn wir tun, also wir handeln und nur wir alleine können da raus kommen. Also bewege dich. Jetzt!“

Während Ingrid die vertrockneten Lavendelblueten abschneidet und sie in den blauen Korb fallen, fallen auch Stück für Stück meine Widerstände herunter. Ein paar Tränen versiege ich für sie.

Es fällt unglaublich schwer sie loszulassen. Meine alten Glaubenssätze und Vorstellungen.

„ Dein Ego muss sich um-stellen. Transformiere es in unendliche Liebe. Liebe zu dir selbst. Allein durch die Selbstliebe deines ganzen Wesens wirst du wirklich glücklich sein. Die Vergebung wird dabei eine der wichtigsten Aufgaben sein.“

Mich hat es aus Stuttgart tief in den Osten verschlagen. Ein Schloss, das Healingcastle wird für die nächsten Woche meine Lebensschule sein, Ingrid mich meine harten Widerstände auflösen lernen und die internationalen Volontäre und die ganze Atmosphäre meine Geduld, meine innere Ruhe und meine Vorstellungen kräftig Durchrütteln.

„Höre auf Geschichten zu erfinden. Kleine Puzzelteile kannst du nicht in Eigenregie und negativer oder positiver Phantasie zu einer Pseudowahrheit zusammenstellen. Es zählt nur die Wahrheit und der Moment, der Augenblick, in dem die Dinge tatsächlich geschehen.“

Dieser Ort hat mich gefunden, als ich auf der Suche nach Antworten auf schwammige Fragen war, als mein Körper nach Flexibilität rief, als mein Kopf nach schweigen schrie.

Wir ziehen ein straffes Programm durch, so fühlt es sich die ersten tage an. Mein neu gekaufter Wecker klingelt jeden Morgen um 5:30 Uhr. Das mir selbst auferlegte digital Detox haben mein Handy und meinen Laptop, meine Uhr, einfach allen Technikkram zu Hause gelassen.

Das Morgenprogramm ist so vielfältig, wie die Menschen, die Situationen, die Emotionen alles was sich hier täglich aufs Neue abspielt.

Mein kleines klebriges Lebkuchenherz sehnt sich nach Harmonie und warmen sanften Worten

„Nicht der Ton macht die Musik, sondern der Kern der Aussage ist wichtig. Destilliere den Inhalt und die Information heraus und setzte sie für dich um. Nehme die Art und weise deines Gegenübrs nicht persönlich und kreiere keinen Angriff, aus dem eine Überreaktion entsteht, die am Ende nur dich selber verletzt!“

Ich ziehe das hier durch und werde daran wachsen, so wandert es durch meinen Kopf, wann immer ich mich angegriffen fühle, wann immer ich in den Widerstand treten möchte, wann immer ich an meine Grenzen gehe.

Die Meditation und ihr stillsitzen bringen mich am dritten Tag zum ersten inneren Konflikt und seiner erstaunlich schnellen Auflösung.

„Höre auf zu jammern und lebe dein Leben. Lasse dich nicht von deinem Körper abhalten. Sehe ihn wie ein Auto. Auch mit reparierten oder ausgetauschten Teilen kann es noch fahren und darf nicht in der Garage verrotten. Du bestimmst wohin es mit deinem Auto geht und nicht das Auto darf dich lenken. Du hast die Kontrolle.“

Der natürliche Fluss des Lebens wird durch uneingeschränktes Vertrauen in sich selbst, das Glück und die Fügung getragen. Misstrauen, Bedenken, Einwände oder Vorstellungen stören den Fluss und verhindern die Fügung.

So sieht mein erster Glaubenssatz aus, den ich in mein Tagebuch schreibe. Dick unterstrichen erinnere ich mich jeden Tag an die Einprägung dieser wichtigen Worte.

Es ist die Information, alles was wir seit unsere Kindheit eingetrichtert bekommen haben, was uns in diese Situation gebracht hat. Durch die gesellschaftliche Manipulation hat sich in mir, ein für mich schädliches Glaubensystem gefestigt. Dieser Ort, dieses Schloss, diese Menschen werden mir helfen, mein System zu transformieren und meine Gefühle wirklich wahrzunehmen.

Ich glaube es, also ist es so!

Mein Selbst-vertrauen ist in mir. Ich traue mich, denn ich ver-traue mir.

Mit jedem neuen Volontär verändert sich die Dynamik der Gruppe und ich lasse mich schnell wieder aus meinem eigenen Rhythmus bringen. Hinterfrage nicht alles. Nehme die Dinge ohne Wertung an und lasse sie auf dich wirken. Dein Ego versucht dich durch deinen verstand zu ver-führen. Deine Seele empfängt was sie braucht und lässt schädliches intuitiv davon ziehen.

Es hat sich in den vier Wochen meines Aufenthalts so viel geändert, was sich in den letzten zehn Jahren nicht aufgelöst hat. Nun werde ich in drei Tagen meine rettende Herzeinheimat verlassen und so viel mehr als mein Reisehabundgut mit nach Hause tragen. Ich darf mein Leben nicht länger aufteilen. Mein Tag hat 24 Stunden und ich nutze jeden Moment. Alles geht Hand in Hand und ich genieße jede Tag, jede Aufgabe und widme mich ihr mit Liebe, Achtsamkeit, Konzentration, Hingabe und bleibe immer im Moment drin.

Advertisements